Eine Rechtsanwältin war vier Monate lang in einer Steuerberater- und Rechtsanwaltskanzlei tätig. Während der Dauer des Arbeitsverhältnisses wurde sie mit entsprechendem Profil als Rechtsanwältin der Kanzlei auf der Homepage der Sozietät geführt. Außerdem wurde in dem News Blog der Homepage eine Webseite geführt, in der ebenfalls Profil und Foto der Juristin dargestellt wurden, verbunden mit der Nachricht, dass sie das Anwaltsteam nun im Bereich Handels- und Gesellschaftsrecht verstärke. Beide Veröffentlichungen erfolgten mit Wissen und Wollen der Anwältin. Nach ihrem Ausscheiden aus der Kanzlei war sie weiter als Rechtsanwältin zugelassen und übernahm in einem Unternehmen die Leitung der Rechtsabteilung. Von ihren ehemaligen Arbeitgebern verlangte sie die Löschung ihrer persönlichen Daten auf beiden Websites. Die Kanzlei löschte die Daten von ihrer Homepage, nicht aber von der Website im Rahmen des News Blogs. Dagegen ging die Anwältin gerichtlich vor.

Mit Erfolg. Nach Meinung des Gerichts müsse die beklagte Sozietät die persönlichen Daten der Rechtsanwältin samt Foto von allen Seiten ihrer Internetpräsentation löschen. Die Veröffentlichung greife nach Ende des Arbeitsverhältnisses unberechtigt in das Persönlichkeitsrecht der Klägerin ein. Das veröffentlichte Profil habe werbenden Charakter. Bewusst würden durch Foto und Text die individuelle Persönlichkeit und die berufliche Qualifikation der Anwältin herausgestellt. Es entstehe der unzutreffende Eindruck, dass die Anwältin nach wie vor in der Sozietät arbeite. Dies führe auch zu Wettbewerbsnachteilen der Klägerin in ihrer Position als Rechtsanwältin. Potentielle Mandanten würden auf die Homepage der Beklagten verwiesen. Ein berechtigtes Interesse der Beklagten an der Veröffentlichung der Daten der Klägerin nach dem Ende des Arbeitsverhältnisses gebe es nicht.
Hessisches LAG, Az.: 19 SaGa 1480/11